Calming Signals

Die Beschwichtigungssignale der Hunde


Die kalte Schnauze eines Hundes ist erstaunlich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen
 

 

Die Beschwichtigungssignale sind Signale, die Verhindern sollen, dass Konflikte auftreten. Man kennt diese Signale von den Wölfen als Stoppsignale. Stoppsignale ist aber nicht unbedingt das Richtige Wort, denn sie stoppen nicht die Konflikte, sondern diese Signale lassen wie gesagt, erst gar keinen Konflikt aufkommen. Deshalb Beschwichtigungssignale. Sie dienen dazu sein Gegenüber oder sich selbst zu beschwichtigen bzw. zu beruhigen.

Da wären wir auch gleichzeitig mal wieder bei dem beliebtem Thema Dominanz. Wenn Wölfe so dominant wären wie immer behauptet wird, dann würden sie nichts anderes zu tun haben als die ganze Zeit ihren Rang in Frage zu stellen und sich evtl. alle zerfleischen. Das ist jedoch falsch. Wölfe setzen die Signale ein um erst gar keine Aggression aufkommen zu lassen, den ein verletztes Tier im Rudel ist nur eine Belastung und sie könnten nicht mehr vernünftig Jagen gehen, das Rudel wäre gefährdet.

Lange Zeit glaubte man, dass es aufgrund der Domestikation bei den Hunden diese Signale nicht mehr geben würde. Richtig ist, dass der Wolf über ein sehr großes Repertoire an Calming Signals verfügt, so ca. 60 oder mehr Signale. Bei unseren heutigen Haushunden sind es ungefähr 30. Die Reduzierung dieser Signale beim Haushund ist durch die Domestikation aufgetreten. Das ist auch ganz klar, der Mensch hat mit den Jahren so viele verschiedene Rassen gezüchtet, dass viele Signale wegfallen müssen. Zum Beispiel kann man bei einem Langhaarigen Hund, der das ganze Gesicht verdeckt hat viele Signale nicht erkennen. Wir können nicht sehen ob er blinzelt, den Blick verkürzt, den Blick abwendet usw. Auch andere Hunde können das nicht erkennen. Durch Menschliche Einwirkung wie zum Beispiel die Rute oder die Ohren zu kupieren, zerstören wir einen wichtigen Teil der Kommunikationsmittel beim Hund und ich frage mich immer wieder, wer uns dieses Recht gibt!

Turid Rugaas aus Norwegen beobachtete viele Jahre lang die Beschwichtigungssignale bei Hunden und machte sie Publik. Man weiß heute, dass beinahe jedes Säugetier über diese Signale verfügt, wenn nicht sogar jedes.

Das schöne daran ist, dass selbst wir Menschen sie anwenden können, das heißt, dass wir mit unseren Hunden kommunizieren können.

 

Beschwichtigungssignale sind:

 

Es können zum Beispiel mehrerer Signale zusammen oder hintereinander gezeigt werden.

Zum Beispiel: Blinzeln, sich über den Fang lecken und den Kopf abwenden. Oder es wird sich über den Fang geleckt, dann der Kopf abgewendet und dann auch noch gegähnt.

Sie können vom gleichen Hund in gleichen Situationen unterschiedlich angewendet werden. Mal hebt der Hund die Pfote und mal wendet er den Blick ab. Jeder Hund beschwichtigt anders, der eine gähnt und der andere schmatzt und oder leckt sich über den Fang.

 

Hier ein paar Beispiele:

Zum Beispiel bei der Fellpflege oder beim Streicheln, wenn es dem Hund unangenehm oder zu viel wird, dann wird er anfangen zu beschwichtigen. Er wird wahrscheinlich blinzeln, zwischendurch schmatzen, gähnen, lächeln und sich über den Fang lecken. Es können auch andere Dinge sein wie die Pfote heben, Kopf abwenden usw.

Steht der Hund neben einem und man streichelt ihn an der dem Menschen zugewandte Seite, wird er sich meist einem zuwenden, streichelt man ihn auf der anderen Seite, wird er sich abwenden.

Wenn man zum Beispiel Gassi gehen will und der Hund total aufgeregt ist, fängt er oft an zu gähnen, das aber nicht weil er müde ist, sondern um sich selbst zu beruhigen, weil er so aufgeregt ist.

Oder man kennt es ja, man hat es mal eilig und ist total im Stress. Draußen fängt der Hund dann an gaaanz langsam zu laufen, er schnüffelt am Boden und hat alle Zeit der Welt. Sein Geschäft macht er dann meist auch nicht. Man wird nervöser und der Hund wird dabei immer ruhiger, vielleicht wird er uns auch ignorieren. Das liegt nicht daran, dass er uns ärgern will, weil er ganz genau weiß, dass wir es eilig haben. Er merkt nur ganz eindeutig, dass wir Stress haben und ihm ist das sehr unangenehm, deshalb beschwichtigt er uns, um uns zu beruhigen und wir denken von dem armen Hund oft das Gegenteil und lassen unsere Wut an ihm aus.

Ganz wichtig ist, dass man nicht alles als Beschwichtigungssignal sehen darf, man muss immer alles im Kontext sehen. Der Hund kann auch mal gähnen weil er müde ist oder pinkeln, weil er muss usw. Also alles im Zusammenhang betrachten.

 

Man sollte sich auch Gedanken machen, warum der Hund uns beschwichtigt:

Ist unsere Stimme zu streng?

Wirkt unsere Körperhaltung bedrohlich?

Fühlt er sich eingeengt?

Ist der Hund überfordert, von zu viel Training oder Spiel?

Ist der Hund gestresst?

Gestresste Hunde könne auch nichts lernen, sie sind nicht aufnahmefähig!

 

Anzeichen von Stress können sein: (Mehr davon unter dem Thema: Stress beim Hund)

 

Mehr über die Beschwichtigungssignale kann man in dem Buch „Die Beschwichtigungssignale der Hunde“ von Turid Rugaas nachlesen. Zu diesem Buch gibt es auch ein Video. Seit September 2004 gibt es jetzt auch das „Calming Signals Workbook“ von Clarissa v. Reinhardt und Martina Scholz, dort kann man nachlesen, wie wir die Calming Signals im Training mit unserem Hund verwenden.

 

 

überarbeitete Version folgt...

 

Georgia Laios 27. Oktober 2007©


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